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Freitag, 08. März 2013, 20:51 Uhr
Der Fußgängerzone fehlt ein Magnet
Leere Schaufenster in der Ludwigshafener City, wohin man blickt. Vor allem die Bismarckstraße gibt ein tristes Bild ab. Woran liegt das? Besteht noch Hoffnung für die Innenstadt? Ein sechsteiliger RHEINPFALZ-Report will Antworten auf diese Kernfragen geben. Teil eins beleuchtet den Niedergang der in den 1970ern eingerichteten Fußgängerzone.
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Ladenschluss: Viele Geschäfte in der Bismarckstraße haben aufgegeben, die verbleibenden haben einen immer schwereren Stand.

Kenan Kara kämpft mit seiner Frau Gülseren ums Überleben. Seit fünfeinhalb Jahren betreibt das Paar einen Döner-Imbiss in der Bismarckstraße. Der kleine Laden liegt im mittleren Abschnitt der Fußgängerzone - zwischen ”Knödelbrunnen” und der Bahnhofstraße. Nur noch wenige Kunden kommen zu ihm.

Rings um den Imbiss sind die meisten Geschäfte verwaist. ”Hier ist nichts mehr los. Und die Stadt hat uns vergessen. Alle, die noch hier sind, sollten einen Tag zumachen und sich vor ihre Läden setzen und protestieren”, sagt Kenan Kara und blickt sorgenvoll auf die verödete Fußgängerzone vor seinem Imbiss.

Der Niedergang der Ludwigshafener City ist im mittleren Abschnitt der Bismarckstraße besonders spürbar. Selbst Ein-Euro-Ramschgeschäfte haben hier aufgegeben. Die Ursachen sind vielfältig und liegen nicht immer in der Situation vor Ort begründet. ”Ihr Platz” musste im Zuge der Schlecker-Pleite schließen. Die Kaufhof-Immobilie wurde vom Metro-Konzern an den Immobilienfonds ”Apollo Rida” mit Sitz im polnischen Warschau verkauft. Der Fonds, hinter dem amerikanischen Investoren stehen sollen, wollte im boomenden Osteuropa investieren und kaufte vom Metro-Konzern ein ganzes Paket: Baumärkte und andere Immobilien in Polen - als ”Mitgift” gab‘s von Metro noch ein paar veraltete Kaufhäuser in Deutschland. Der Kaufhof in der Bismarckstraße war darunter und wurde bald darauf dicht gemacht.

Auch der Auszug der Commerzbank an der Ecke Bismarck-/Bahnhofstraße hat überregionale Gründe. Die Commerzbank hat die Dresdner Bank geschluckt, die einige 100 Meter weiter südlich eine zweistöckige Filiale betrieb. Durch die Fusion gab es auf einmal zwei Geschäftsstellen der gleichen Bank auf engem Raum. Eine zu viel. Also zog die Commerzbank in die einstige Dresdner-Bank-Filiale. Die alten Räume stehen seitdem leer.

Andere Leerstände in der Bismarckstraße resultieren aus der Konkurrenz zu den Einkaufszentren Rathaus-Center und Rhein-Galerie. Zwei Geschäfte mit Mode für die jüngere Generation sind aus der Bismarckstraße ins Rathaus-Center umgezogen. Mit H&M verlor die Bismarckstraße einen ihrer Einkaufsmagneten an die Rhein-Galerie. Ein Nachfolger ist für die über 2500 Quadratmeter Verkaufsfläche nicht in Sicht - eine solche Fläche können nur große Ketten mieten. Und die sind mit ihren Filialen in den rund 200 Läden der beiden Ludwigshafener Shopping-Center vertreten.

Das Bismarck-Zentrum steht auch schon länger leer. Der türkische Unternehmer Mustafa Baklan hat es gekauft und zunächst als Nahversorgungszentrum mit Metzger, Bäcker und Imbisslokalen wieder gefüllt. Doch das alte Konzept funktionierte nicht mehr, die Mieter sprangen wieder ab. Nun soll das kleine Einkaufszentrum umgebaut werden. Ein Drogeriemarkt will dort einziehen. Passiert ist noch nichts.

Viele der leer stehenden kleineren Ladengeschäfte in der Bismarckstraße entsprechen nicht mehr den heutigen Anforderungen. Entweder sie sind zu klein oder haben den falschen Zuschnitt, berichtet Yann Fürst. Außerdem seien viele der kleineren Filialisten in den Shopping-Centern. Der 40-Jährige ist der City-Manager. Er soll im Auftrag der Stadtmarketinggesellschaft Lukom Ansprechpartner für Interessenten sein, Kontakte zu Hauseigentümern vermitteln und Immobilienbesitzer über öffentliche Fördermöglichkeiten bei der Sanierung informieren. Etwa zwei bis drei Anrufe von Interessenten hat er in der Woche. Doch oft wird nichts daraus. Meist scheitere eine Neuvermietung an den Mietvorstellungen der Hauseigentümer oder an der Frage der Aufteilung der Umbaukosten. ”Vor allem die Eigentümer sind gefragt, auf die veränderten Rahmenbedingungen zu reagieren. Viele haben noch die Situation von vor 20 oder 30 Jahren vor Augen. Die Stadt kann nur indirekt Einfluss nehmen”, sagt Fürst. In der Ludwigstraße sei es in jüngster Zeit gelungen, neue Mieter für leere Flächen zu gewinnen. Im mittleren Bereich der Bismarckstraße sei die Lage schwierig, räumt der Berufsoptimist Fürst ein: ”Vielleicht müsste man hier über einen anderen Ansatz als nur Einzelhandel nachdenken.”

Das fordert auch Ortsvorsteher Christoph Heller (CDU). Er könnte sich eine Art verkehrsberuhigter Wohnstraße dort vorstellen mit ein paar Geschäften zwischendrin. Und so ist es vielleicht kein Zufall, dass in der unteren Bismarckstraße neben der Stadtbibliothek ein altes Geschäftshaus gerade abgerissen worden ist. Momentan entsteht dort ein modernes Wohnhaus.

In der vor Jahren wieder für den Autoverkehr geöffneten Ludwigstraße gibt es noch die meisten inhabergeführten Fachgeschäfte in der City. ”Schuh Keller” oder das ”Fashion House” ziehen auswärtige Kunden an. Doch auch in der Ludwigstraße stehen drei große Geschäfte mit jeweils über 700 Quadratmetern Verkaufsfläche leer. Verheerend etwa ist der Eindruck, den das ehemalige Deutsche-Bank-Gebäude hinterlässt. Die Passage stinkt nach Urin.

Mit der Karstadt-Schließung in der ”Tortenschachtel” ist nun einer der letzten großen Ankermieter am Ende der Bismarckstraße weggefallen. Fast alle wichtigen Geschäftshäuser der Straße - wie etwa der ehemalige ”Sport Scheck” - stehen nun leer, am Rathausplatz sorgt noch der Drogeriemarkt ”Müller” für Belebung. Fast 20.000 Quadratmeter ungenutzte Verkaufsfläche sind es insgesamt. Die kleinen Läden, die es noch gibt, ziehen keine Kunden in die City - Nagelstudios, Friseure, Spielotheken, Bäcker oder Handy-Shops. Vereinzelte Fachgeschäfte wie Juwelier ”Maurmann” wirken wie Inseln. Auch die Fachhändler sprechen von einer Katastrophe. Nicht nur Imbiss-Betreiber Kara hat Angst um sein Geschäft.

Der Rheinpfalz-ReportIn sechs Teilen beleuchten wir die Situation in der City und fragen, wie es weitergehen soll. Teil 2 am Montag dreht sich um die schwierigen Besitzverhältnisse.

 

 

 

 

 

 

 

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